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Handout zur Lehrveranstaltung Persönlichkeitspsychologie IV: Praktikum
Dipl.-Psych. M. Romppel
SS 1996
Übersicht:
Das Ziel des Praktikums ist es, Erfahrungen bei der Umsetzung von differentiell-psychologischen Fragestellungen in empirische Forschung zu sammeln, um das Verständnis für methodisch kontrollierte Forschung auf diesem Gebiet zu erhöhen. Es soll auch auf die am Ende des Studiums durchzuführende eigene Forschungsarbeit (Diplomarbeit) vorbereiten.
Die Teilnahme am PP-Praktikum ist nach der Studienordnung für jeden Psychologiestudierenden Pflicht, obgleich kein Leistungsschein erworben werden muß.
Anforderungen für
- Studierende, die einen Schein erwerben wollen:
- Praktikumsbericht (Hauptredaktion), erreichbar 50% der Gesamtpunkte, maximal 18
- schriftliche Äußerungen zu Fragen der begleitenden Literatur im Rahmen einer Abschlußklausur, erreichbar 50% der Gesamtpunkte, maximal 18. Bestanden ist die Klausur mit mindestens 20 Punkten.
- Studierende, die keinen Schein erwerben wollen
- regelmäßige Teilnahme und Mitarbeit in den Kleingruppen
- Praktikumsbericht (dort Übernahme wesentlicher Teile)
Über die Arbeitsanteile der Teilnehmer an der Untersuchung und am Praktikumsbericht soll ein Vorwort zum Bericht informieren.
Die Teilnahme am PP-Praktikum setzt den Arbeitseinsatz (1) oder (2) voraus. Bloßes Zusehen-/Zuhörenwollen (von "Trittbrettfahrern") würde stören. Die PP-Teilnehmer (1) und (2) können zur Prüfung in Persönlichkeitspsychologie das erste Thema (25%-30% der Prüfungszeit) selbst wählen.
In diesem Semester werden zwei Themenbereiche zur Wahl gestellt: Handschrift und Forschungsmöglichkeiten im Internet. Die Teilnehmer sollen sich möglichst gleichanteilig auf die beiden Bereiche verteilen.
Zu beiden Themen existiert ein ausführlicheres Skript, das zur ersten Orientierung dienen und bei der Entwicklung einer eigenen Fragestellung behilflich sein soll.
Trotz des technischen Fortschritts (Schreibmaschine, Textverarbeitungssoftware) spielt die Handschrift immer noch in bestimmten Bereichen eine sehr große Rolle: Beim Anfertigen von Notizen (obwohl auch hier zunehmend mobile Computer zum Einsatz kommen), bei bestimmten Formen persönlicher Kommunikation (es wäre z.B. befremdlich, ein maschinengeschriebenes Kondolenzschreiben oder einen maschinengeschriebenen Liebesbrief zu erhalten) und nicht zuletzt bei der individuellen Legitimation durch die Unterschrift (obwohl auch dieser Vorgang zunehmend durch Passwörter und Pin-Codes ersetzt wird).
Vor allen Dingen die - durch diese Legitimationsfunktion der Unterschrift betonte - Individualität der Handschrift ist faszinierend. So ist es nicht erstaunlich, daß es plausibel erscheint, diese Individualität mit der Individualität der Persönlichkeit in Zusammenhang zu bringen.
- Die Graphologie versucht, die Handschrift als diagnostisches Instrument zu nutzen und von Merkmalen der Handschrift auf Merkmale des Charakters zu schließen, ein Verfahren, das eine sehr hohe Augenscheinvalidität (face validity) besitzt.
- Ein weiteres wichtiges Anwendungsfeld ist die Forensische Handschriftenanalyse, die dann eine Rolle spielen kann, wenn im juristischen Bereich der Verfasser eines handschriftlichen Dokuments in Frage steht. Im Gegensatz zur Graphologie geht es hierbei nicht um die Zuordnung von Persönlichkeitsmerkmalen, sondern lediglich um die -möglichst zweifelsfreie - Identifizierung des Verfassers.
- Die Graphonomie ist diejenige Disziplin, in der die grundlagenwissenschaftliche Erforschung unterschiedlichster Aspekte der Handschriftenproduktion ihren Platz gefunden hat.
Mögliche Fragestellungen für das Praktikum könnten z.B. sein:
- Wie gut können Merkmale der Handschrift eingeschätzt werden?
- Inwieweit ist die Handschrift abhängig von situativen Einflüssen?
- Wie wirkt Handschrift auf andere Personen?
- Welchen Einfluß hat der Wunsch, einen bestimmten Eindruck mit seiner Handschrift zu machen?
- Wie hoch ist der Zusammenhang von Merkmalen der Handschrift mit anderen Ausdrucksmerkmalen?
- Welche Einstellungen haben Personen zu ihrer eigenen Handschrift?
- Unter welchen Bedingungen ist eine Handschrift leicht nachzuahmen?
- Gibt es gute/schlechte Handschriftenfälscher?
- Inwieweit ist es möglich, die eigene Handschrift zu verstellen?
- Wodurch wird die Lesbarkeit einer Schrift beeinflußt und welchen Einfluß hat die Lesbarkeit auf den Eindruck, den die Schrift macht?
Das Internet wird in der öffentlichen Diskussion der letzten Zeit in zunehmendem Maße thematisiert. Unter dem Schlagwort "Datenautobahn" oder "Information-Highway" werden auch von politischer Seite Initiativen für den Weg in die Informationsgesellschaft propagiert. Das Internet ist - grob gesagt - ein weltweites Netz miteinander verbundener Computer, über das verschiedene Formen der Kommunikation und Datenübertragung abgewickelt werden können. Es kann gefragt werden, welche Möglichkeiten existieren, sich diese Technologie auch für die (psychologische) Forschung zunutze zu machen.
Neben der Unterstützung herkömmlicher empirischer Forschung durch Werkzeuge und Dienste des Internets (z.B. Recherchemöglichkeiten, Möglichkeiten der Kooperation und Diskussion), bietet es sich auch an, Untersuchungen direkt im Internet durchzuführen. Mit einigen Einschränkungen ist es möglich, fast das
gesamte Spektrum an vorhandenen Datenerhebungsmethoden zu nutzen. Dabei kann danach unterschieden werden, ob der Untersuchungsgegenstand das Verhalten im Internet selbst sein soll oder ob das Medium Internet lediglich als Hilfsmittel zur Untersuchung nicht ans Internet gebundener Verhaltens- und Erlebensweisen genutzt wird.
Mit dieser Art der Forschung sind spezifische Vor- und Nachteile verbunden. Um die Möglichkeiten, die das Internet bietet, bewerten und in eine eigene Untersuchung umsetzen zu können, ist es erforderlich, sich zunächst wenigstens grob mit diesen Möglichkeiten vertraut zu machen.
Eine Fragestellung für die Praktikumsuntersuchung kann sich auf zwei Arten entwickeln:
Einerseits kann die Fragestellung schon mehr oder weniger konkret vorliegen. Anhand der vorhandenen Möglichkeiten wird die Realisierbarkeit einer Untersuchung überprüft und gegebenenfalls die Fragestellung modifiziert. Andererseits könnte es sein, daß sich eine Fragestellung erst aus der Kenntnis der vorhandenen Möglichkeiten entwickelt. Beide Vorgehensweisen sind im Rahmen dieses Praktikums legitim.
Jede Arbeitsgruppe soll einen Bericht über ihre Semesterarbeit
verfassen. Die Gruppenmitglieder sollen die Abfassung des
Berichts unter sich aufteilen und kenntlich machen, von wem
welcher Teil des Berichtes stammt. Die aktive Teilnahme am
Praktikum zusammen mit der Abgabe eines Berichts schafft die
Möglichkeit, in der Vordiplomsprüfung ein Einstiegsthema wählen
zu können, mit dem die Prüfung beginnen soll. TeilnehmerInnen,
die einen Schein erwerben möchten, sollten einen maßgeblichen
Anteil am Praktikumsbericht haben. Dieser Beitrag wird für die
Klausur am Semesterende angerechnet.
Die Praktikumsberichte zum Thema "Forschungsmöglichkeiten im Internet" sollten nach Möglichkeit, dem Thema entsprechend, in elektronischer Form als Hypertextdokument erstellt werden. Bei der technischen Umsetzung dieses Vorhabens können die TeilnehmerInnen auf entsprechende Unterstützung setzen.
Für das Titelblatt wird folgende einheitliche Form empfohlen:
Praktikumsbericht
Persönlichkeitspsychologisches Praktikum
SS 1996
(Leiter: )
Thema:
Name Verantwortlich für Unterschrift
---------------------------------------------------------------
Name 1
Name 2
Name 3
---------------------------------------------------------------
Gliederung:
Verwendete Literatur:
Bei der Gliederung des Berichts sollten Sie sich an folgendem
Vorschlag orientieren:
0. Vorwort
Aufteilung der Arbeit bei der Untersuchungsdurchführung.
Persönliche Bemerkungen der Autoren und Autorinnen zur
Semesterarbeit.
1. Einleitung
Hier werden sachliche (nicht persönliche, diese gehören ins
Vorwort) Hintergrundinformationen gegeben, die die dann folgende
Fragestellung begründen.
- Was war der Anlaß zur Untersuchung?
- Wie ist es zu der Fragestellung, die unten erläutert wird, gekommen?
- In welchem Kontext ist die vorliegende Untersuchung zu sehen?
- An welche anderen Untersuchungen knüpft die vorliegende an?
2. Fragestellung
Hier wird das Problemfeld selbst umrissen und erläutert.
- Was möchte man wissen?
- Welche Frage soll beantwortet werden?
3. Hypothesen
Hier werden die Erwartungen der VerfasserInnen niedergelegt,
sofern Erwartungen vorhanden waren. Vermutlich waren auch dann
Erwartungen vorhanden, wenn diese nicht als klar umrissene
Hypothesen betrachten werden können, wie es bei Experimenten mit
Variationen der Versuchsbedingungen in der Regel der Fall ist.
Auch solche impliziten Erwartungen sollten hier, soweit möglich,
explizit gemacht werden.
4. Methode
Hier wird die verwendete Methode begründet und beschrieben.
- Zu welchem Untersuchungstyp gehört die Untersuchung?
- Was leistet die Untersuchung im Forschungskontext?
- Welche Methoden werden verwendet und wie lassen sich diese Methoden einordnen?
- Worin besteht das Vorgehen?
- Welches Untersuchungsmaterial wurde verwendet?
- Wieviel Versuchspersonen haben teilgenommen?
- Welche Merkmale hat diese Stichprobe?
5. Durchführung
Hier wird der Ablauf der Untersuchung beschrieben, so wie er in
dieser Untersuchung realisiert wurde.
- Wer waren die Untersucher bzw. Untersucherinnen?
- Wann und wo wurde die Untersuchung durchgeführt?
- Wie lange hat die Untersuchung gedauert?
- Wie war der Ablauf und die näheren Umstände?
- Wie haben sich die untersuchten Personen zur Untersuchung selbst
verhalten? (Motivation, Bereitschaft)
- Gab es besondere nicht geplante Vorkommnisse?
6. Ergebnisse
Hier werden die Befunde dargestellt.
Gegebenenfalls werden zunächst Beispiele des Rohmaterials
gegeben (etwa Ausschnitte aus Interviewprotokollen). Nicht
verwertete Protokolle und Unterlagen werden, wenn sinnvoll, im
Anhang des Berichts beigefügt.
Beschrieben wird sodann, wie das Rohmaterial der Untersuchung
behandelt (zusammengefaßt, klassifiziert, kodiert, analysiert,
ggf. quantifiziert) wurde.
- Welche Trends sind nach Sichtung des behandelten Materials erkennbar?
- Welche Antworten auf die eingangs gestellten Fragen zeichnen sich ab?
7. Diskussion
Nach kurzem Hinweis auf das Hauptergebnis der Untersuchung
werden Einschränkungen behandelt, sofern solche zu bedenken sind
(Relativierung der Befunde, z.B. hinsichtlich ihrer
Generalisierbarkeit).
Dann werden die Befunde interpretiert, in den größeren Kontext
der eingangs beschriebenen Fragestellung eingebracht und
Schlußfolgerungen gezogen.
Ausblicke auf zukünftige Untersuchungen derselben Fragestellung
mit anderen Methoden oder erweiterter/veränderter
Fragestellungen mit denselben Methoden usw. schließen die
Diskussion ab.
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