Erhebungsbogen Göttinger Psychologiestudierender: Ergebnisse
Wir wollten wissen:
- Was denken Sie über PsychologInnen und Psychologie?
- Was wissen Sie über PsychologInnen und Psychologie?
Ziel der Untersuchung war es, einen Überblick über den
Kenntnisstand und die Einstellungen/Vorurteile derjenigen zu gewinnen,
die sich im World Wide Web für das Thema Psychologie
interessieren. Die Ergebnisse können vielleicht Hinweise darauf
geben, in welchen Bereichen Aufklärungsbedarf besteht und so
zur Entwicklung eines gezielten Informationsangebots dienen.
Der Fragebogen umfaßte elf Fragen,
unterteilt in Wissensfragen und Einstellungsfragen.
Die Wissensfragen sollten möglichst spontan nach dem derzeitigen
Wissensstand und die Einstellungsfragen sollten
möglichst ehrlich beantwortet werden.
Beschreibung der Stichprobe
Bis zum jetzigen Zeitpunkt (15. Mai 1997) haben insgesamt 200 Personen
diesen Fragebogen ausgefüllt.
- Davon waren 133 männlich (66.5 %) und 67 weiblich (33.5 %).
- 148 davon (74.0 %) kennen PsychologInnen oder PsychologiestudentInnen,
39 (19.5 %) nicht.
- Die meisten waren zwischen 21 und 30 bzw. 31 und 40 Jahren alt (52.5 bzw. 26.0 %).
- Beruflich waren 41.0 % Studierende, 31.5 % Angestellte und 19.5 % andere Kategorien (keine Angaben: 8 %).
- 13.5 % haben Realschulabschluß, 46.0 % haben Abitur, 30.5 % haben einen Hochschulabschluß (keine Angaben: 5.5 %).
Ergebnisse zu den einzelnen Items
Auf diese Frage haben geantwortet:
| Ich zeige Interesse an dem Bereich und gehe weiter darauf ein.
| 67.0 %
|
| Macht keinen Eindruck auf mich.
| 17.0 %
|
| Analysiert der/die mich jetzt?
| 15.5 %
|
| Oh, muß ich jetzt aufpassen, was ich sage?
| 6.0 %
|
"Der Gegenstand der Psychologie sind Verhalten, Erleben und Bewußtsein des Menschen, deren Entwicklung über die Lebensspanne und deren innere und äußere Bedingungen und Ursachen."
(Zimbardo, 1992, S. 1)
So oder so ähnlich definieren gängige Lehrbücher der Psychologie den Gegenstand der Psychologie.
Welche Konzepte verwenden unsere Probanden?
Die durchschnittliche Länge der Definition beträgt in unserer Untersuchung 11.25 Wörter (s = 7.5,
mit einer Schwankungsbreite von 2 bis 49 Wörtern).
Das häufigste Inhaltswort lautet Menschen (90 mal), gefolgt von Verhalten
(57 mal) und menschlichen (21 mal).
Weitere mehr als zehn mal vorkommende Wörter sind:
- Psyche: 17
- Erleben: 16
- Seele: 16
- Verhaltensweisen: 11
- denken: 10
119 Personen nennen Begriffe der Kategorie "Mensch", 90 Personen
nennen die Kategorie "Verhalten" und 41 Personen haben die
Kategorie "Erleben" in ihrer Antwort.
Nur 23 Personen führen alle drei Aspekte (Verhalten, Erleben, Mensch) an.
- 27 haben Verhalten und Erleben in ihrer Antwort, bei 4 davon fehlt der Mensch.
- 65 Personen haben Verhalten und Mensch in ihrer Definition (r = .23), bei 42 davon
fehlt das Erleben.
- 30 Personen haben Erleben und Mensch in ihrer Definition, bei 7 davon fehlt der Verhaltensaspekt.
82 Personen nennen methodologische, wissenschafts- und
erkentnistheoretische Konzepte:
Analysieren, Beschreiben, Erforschen, Erklären, Untersuchen...
von
Einflüssen, Ursachen, Vorgängen, Wirkungen,
Zusammenhängen
Weitere genannte Kategorien waren (in Klammern mehr als einmal genannte Konzepte):
- "Psyche": 73 (Seele, Seelenzustand, seelisch, Psyche, psychisch,
innere...)
- "kognitive Konzepte": 38 (Bewußtsein, Denken, Wahrnehmen...) (Korrelation mit
Kategorie "Erleben": r = .35)
- "klinische Konzepte": 35 (Krankheit, normal, Probleme, Störungen...)
- "andere psychologische Konzepte": 26 (Eigenschaften, Lernen, Motivation,
Persönlichkeit...)
- "Umweltaspekte" werden in 25 Antworten genannt (Situationen, sozial, Umfeld, Umgebung, Umwelt...)
- "medizinische/physiologische Konzepte": 16 (Chemie, Gehirn, Körper,
Medizin, Physiologie...)
- "biologische Konzepte" kommen in 14 Antworten vor (Leben, Lebewesen,
Tiere...)
- "Individualität": 10 (individuell, Individualität, subjektiv)
- "Psychoanalytische Konzepte": 8 (unbewußt, je einmal Freud, Couch und verborgen)
Ferner tauchen auf:
"andere Disziplinen" (6 Nennungen),
"finanzielle Aspekte" (4 Nennungen) und
"Anwendungsaspekte" (4 Nennungen).
Wichtige Anwendungsfächer sind z.B.
- Klinische Psychologie: Beschäftigt sich u.a. mit Diagnostik, Beratung und Therapie bei psychischen Störungen
- Pädagogische Psychologie: Beschäftigt sich mit psychologischen Fragestellungen im Erziehungs-, Bildungs- und Ausbildungswesen
- Wirtschaftspsychologie; Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie: Beschäftigt sich mit psychologisch bedeutsamen Bedingungen und Wirkungen des wirtschaftlichen Handelns z.B. Konsumentenverhalten, Personalentwicklung, Werbepsychologie
Ergebnisse unserer Befragung:
Die durchschnittliche Länge der Antworten beträgt 8.4 Wörter (s =
6.58 bei einer Schwankungsbreite von 2 bis 44 Wörtern)
Folgende Anwendungsfächer wurden genannt (in Klammern Anzahl der Nennungen):
- Klinische Psychologie (116)
- ABO-Psychologie: (68, davon haben 56 auch Klinische Psychologie genannt, r = .35)
- Forensische Psychologie (12)
- Pädagogische Psychologie (11)
- Verkehrspsychologie (5)
- andere "Psychologien" (insgesamt 13 Nennungen, darunter mehrfach Schule, Politik und Sexualität, je einmal
Behinderten-, Gemeinde-, Heil-, Medien- und Umweltpsychologie)
Weniger auf Fächer als auf Tätigkeitsfelder bezogen ist die folgende
Übersicht (in Klammern die mehr als einmal genannten Begriffe):
- Helfen: 35 (Beheben, Helfen, Hilfe, Lebenshilfe, Konflikt, Problem,
Selbsthilfe, Supervision)
- Forschen: 33 (Erforschen, Erklären, Forschen, Statistik,
Wissenschaft)
- Beraten: 30 (Beratung, ...beratung)
- Diagnostizieren: 16 (Diagnose, Diagnostik, Gutachten, Tests)
- Intervenieren: 13 (Beeinflussung, Intervention, Manipulation,
Veränderung)
- Lehren: 7 (Ausbildung, Lehre, Schulung, je einmal Weiterbildung
und Fortbildung)
- unspezifische Tätigkeiten: 31 (Analysieren, Beurteilen, Erarbeiten,
Problemlösen, Unterstützen)
Von 26 Personen wurden Grundlagenfächer genannt, hier ist vielleicht die Unterscheidung Grundlagenfächer - angewandte Fächer nicht bekannt.
Weitere Nennungen betrafen die folgenden Kategorien:
- andere Disziplinen: 5 (Ethik, Soziologie, Metaphysik, Rhetorik)
- Klientel: 5 (Erwachsene, Jugendliche, Kinder, Familie)
- Geld: 4 (Geld, Kohle, verdienen, kassieren)
Bisher (Stand Mai 1997) haben von den Befragten (n=200) gewählt:
| Psychologe
| 49.5 %
|
| Arzt
| 22.5 %
|
| Psychiater
| 7.0 %
|
| Pfarrer
| 6.0 %
|
| Heilpraktiker
| 5.5 %
|
Die Vorgehensweise der experimentellen Psychologie hat sich mit ihren Hauptströmungen jeweils verändert. Unter dem Behaviorismus sind wohl die Experimente von Pawlow, der Hunde konditionierte, und die Versuche von Skinner an Ratten am bekanntesten. Psychologische Untersuchungen anhand von Tierexperimenten waren üblich in der Phase des Behaviorismus. Dieser ist vom Kognitivismus abgelöst worden, der seinen Forschungsschwerpunkt auf Untersuchungen mit Menschen legt.
Die Untersuchungsmethoden können je nach Fragestellung und Forschungsgebiet sehr unterschiedlich sein. So können die Untersuchungsmethoden von Fragebögen bis hin zur Messung von physischen Merkmalen (zum Beispiel Aufzeichnung der Herzfrequenz) variieren. Untersuchungen können sowohl im Labor als auch in natürlicher Umgebung stattfinden.
Kreuzen Sie bitte die Ihrer Meinung nach richtigen Antworten an.
Die richtigen Antworten sind jeweils durch ein X gekennzeichnet, die falschen durch ein -. In Klammern dahinter der Prozentsatz der bisher Befragten (Stand Mai 1997, n=200), die dieses Feld gewählt haben.
| Merkmal
| Diplom-PsychologIn
| PsychotherapeutIn
| PsychiaterIn
|
| Muß ein abgeschlossenes Psychologiestudium haben.
| X (91.9 %)
| - (24.0 %)
| - (37.5 %)
|
| Behandelt psychisch kranke Menschen und verschreibt unter anderem Psychopharmaka.
| - (14.0 %)
| - (20.5 %)
| X (82.0 %)
|
| Darf Therapien auf Krankenkassenschein verschreiben.
| - (25.5 %)
| - (39.5 %)
| X (75.5 %)
|
| Muß ein abgeschlossenes Studium haben und kann sich im klinisch-therapeutischen Bereich spezialisiert haben.
| X (57.5 %)
| - (45.0 %)
| X (57.5 %)
|
| Ist einE MedizinerIn mit Zusatzausbildung.
| - ( 7.0 %)
| - (28.0 %)
| X (65.5 %)
|
Bisher (bis Mai 1997, n=200) waren 61.5 % der Befragten der Meinung, PsychologInnen seien nicht einfühlsamer als die durchschnittliche Bevölkerung, 34.0 % waren anderer Meinung, 4.5 % der Befragten äußerten sich zu dieser Frage nicht.
Nach einer Untersuchung von Hofstätter (1965) meinen 26% der befragten NichtpsychologInnen und 34% der befragten PsychologInnen, daß Psychologiestudierende "verschrobener" sind als andere Studierende.
34% der befragten NichtpsychologInnen und 32% der befragten PsychologInnen waren der Meinung, daß die meisten Psychologen später selbst einen "Tick" bekommen.
Ein aktuelles Meinungsbild versuchten wir mit dieser Umfrage zu erfassen, bisher (Stand Mai 1997, n=200) waren 43.5 % der Meinung, daß die meisten Psychologen selbst einen "Tick" haben, 51.5 % waren nicht dieser Meinung, die restlichen 5 % äußerten sich nicht dazu.
Bitte nur Eigenschaftsworte!
Nach Hofstätter (1965) werden Psychologen folgendermaßen gesehen:
- eher klar als verschwommen
- eher aktiv als passiv
- eher ernst als verspielt
- eher hilfsbereit als egoistisch
- eher geordnet als zerfahren
- eher nüchtern als verträumt
- eher gesellig als zurückgezogen
- eher vergnügt als mißmutig
- eher beweglich als starr
- eher frisch als müde
- eher gesund als krank
Von den bisher Befragten (Stand Mai 1997, n=200) informierten sich in:
(mehrere Antworten waren möglich)
| psychologischen Sachbüchern
| 49.0 %
|
| allgemeinen Zeitschriften (wie z.B. Brigitte, Freundin...)
| 30.5 %
|
| psychologischen Fachzeitschriften
| 28.5 %
|
| Vorträgen
| 28.5 %
|
| Seminaren
| 28.0 %
|
Lediglich 3 % der bisher Befragten waren der Meinung, es würde völlig akzeptiert, sich psychologische Hilfe/psychologischen Rat zu suchen. 35 % meinten, es sei gar nicht akzeptiert, es sei akzeptiert, sagten 58 %.
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